7 Hacks zur Geschichte der deutschen Sprache

Ein kurzer Überblick über die deutsche Sprachgeschichte von den Anfängen bis heute

Die Entwicklung der deutschen Sprache

Ein Artikel in Deutsch für Spanier und Latinos mit Vokabelhilfe. Von ALEMÁN SIN BIGOTE

Eigentlich könnte man es kurz machen: Deutsch ist eine germanische Sprache und hat seine Wurzeln, genauso wie das Latein, im Indogermanischen. Zwischen 1000 und 500 v. Chr. sonderte sich das Germanische aus der Indogermanischen Sprachenfamilie ab und ging seine eigenen Wege. Diese Wege waren allerdings weit und steinig, denn es dauerte mehr als 20 Jahre bis aus den unterschiedlichen germanischen Sprachen und Dialekten eine einheitliche Standardsprache erwuchs – und zwar erst am Ende des 19. Jahrhunderts mit dem aufziehenden Nationalismus (el auge del nacionalismo).                                                                                  Wem diese Kurzfassung nicht genügt, der soll im Folgenden etwas mehr über die Entwicklung der deutschen Sprache erfahren. Es lohnt sich. 

Inhalt:

  1. Die Trennung des Germanischen von den indoeuropäischen Sprachen
  2. „Alle schreienden Männer mit dem Speer“ 
  3. Althochdeutsch als erste gemeinsame Identität
  4. Latein und immer wieder Latein
  5. Mittelhochdeutsch als die Sprache der Dichter und Denker 
  6. Und dann kam Martin Luther
  7. Die Sprache als Klebstoff für die nationale Einheit

1. Die Trennung des Germanischen von den indoeuropäischen Sprachen

Als indogermanische oder indoeuropäische Sprachfamilie bezeichnet man (hace referencia) die größte Sprachfamilie der Welt. Dazu gehören (Incluye) beispielsweise die romanischen, germanischen, slawischen, baltischen, keltischen Sprachen sowie das Griechische. Spanier und Deutsche gehörten zu dieser Zeit also noch zur gleichen Sprachfamilie, wenngleich es diese beiden Sprachen natürlich noch gar nicht gab.

Die Trennung des Germanischen von den indoeuropäischen Sprachen erfolgte (se produyó) dann durch die so genannte erste Lautverschiebung (primer cambio fonético), etwa um 1000 v. Chr. Vereinfacht gesagt (en pocas palabras), gehen Spanier und Deutsche jetzt getrennte Wege. Alle germanischen Sprachgruppen „verabschieden“ sich vom Indoeuropäischen, indem sich viele Konsonanten verschieben und neue Wörter entstehen.                                                                                                                                            So werden beispielsweise die indogermanischen Konsonanten p, t, k zu germanischen f, th, h.

Also verändert sich das indogermanische p zum germanischen f:

Beispielsweise wird aus dem lateinischen Pater, dem altgriechischen patér und dem altindischen pitár das germanische Fader.

Das indogermanische t wird zum germanischen th:

Beispielsweise wird aus lateinisch tres germanisch thrí.

Das indogermanische k wird zum germanischen h:

Beispielsweise wird aus altgriechisch kyōn althochdeutsch hunt (=der Hund).

2. "Alle schreienden Männer mit dem Speer"

Die Germanen und ihre Sprachen gingen ihre eigenen Wege, aber ein einheitliches germanisches Volk und eine gemeinsame germanische Sprache hat es nie gegeben.

Der Oberbegriff (el término genérico) „die Germanen“ für die einzelnen Stämme taucht ( aparece) zuerst in lateinischen Quellen auf (en fuentes latinas) und wurde durch Cäsars Werk „De Bello Gallico“ bekannt (se dio a conocer a través de la obra de César). Der römische Feldherr machte es sich einfach und nannte alle Völker, die rechts des Rheines lebten, die „Germanen“. Allen Stämmen links des Rheines, wie den Kelten, Belgiern etc., gab er den Namen die „Gallier“.                                      Über die Etymologie des Wortes „Germanen“ ist man sich heute noch immer uneinig. Während einige Forscher sie als  „Männer mit dem Speer“ übersetzen (gêr = Speer), sehen andere den Ursprung im keltischen gairm = der Schrei, also den „schreienden Männern“ (los hombres gritones). Viele Spanier aus den heutigen Touristengebieten, wie etwa auf Mallorca, werden dieser Etymologie wohl zustimmen. Aber schon lange vor Cäsar und dem Massentourismus wurden die Germanen ebenfalls „Barbaren“ oder „Die Männer aus dem Norden“ genannt. Und seien wir ehrlich: Spanier in einer Gruppe sind auch nicht viel leiser.  😉                                Wie gesagt, eine gemeinsame Sprache gab es unter den Germanen genauso wenig wie eine gemeinsame Identität. Jeder Stamm sprach seine eigenes Idiom oder seinen eigenen Dialekt. 

In der Sprachwissenschaft gliedert man (se divide) das Germanische heute in West-Germanisch (zum Beispiel Englisch und Deutsch), Nord-Germanisch (zum Beispiel Schwedisch und Dänisch) und Ost-Germanisch (zum Beispiel Gotisch, Burgundisch oder Vandalisch). Die ostgermanischen Sprachen sind jedoch alle ausgestorben (extinguida).                                                        Allerdings ist das älteste erhaltene Schriftstück der germanischen Sprache (el documento más antiguo que se conserva en lengua germánica) eine Bibelübersetzung ins Gotische aus dem 4. Jahrhundert: die sogenannte Wulfilabibel des Bischofs Wulfila (siehe Bild). Wie bereits erwähnt, ist das Gotische als germanische Sprache heute völlig erloschen. Einige gotische Runen (las runas) aus dem 6. Jahrhundert konnten zwar noch identifiziert werden – mehr aber nicht.                                                                                                          

Auch die Sprache der Westgoten auf der iberischen Halbinsel ist völlig verschwunden und es gibt nur noch wenige spanische Wörter, die germanische Wurzeln (raíces) haben, wie etwa „guerra“ von „werra“ (die Unruhe = el malestar), „rico“ von „reiks“ (reich = „rich“) oder „flecha“ (der Pfeil) von „fliukkija“, auch englisch: to fly.

Übrigens leitet sich (derivar) der Begriff „Alemania“ von dem westgermanischen Volk der „Alemannen“ ab. Diese Germanen lebten zwischen Rhein und Donau und vereinten mehrere kleine Stämme. Aus der Vereinigung dieser Stämme wurden dann die „Alemannen = alle Männer“. Über Frankreich gelangte der Begriff auf die iberische Halbinsel und von dort auch nach Lateinamerika.

3. Althochdeutsch als erste geimeinsame Identität der "Deutschen"

Der Beginn einer deutschen Sprache entstand dann durch die so genannte „zweite Lautverschiebung“ (segundo cambio de sonido) ab dem 6. Jahrhundert nach Chr. . Wie sich beim ersten Lautwandel das Germanische von der indogermanischen Sprachfamilie abgespalten hatte, trennten sich nun einige Dialekte des West-Germanischen von den übrigen germanischen Mundarten und wurden zu dem, was man später als „Althochdeutsch“ bezeichnete.

So veränderten sich beispielsweise die Konsonanten  d zu t,       t zu s,         p zu ff.

– Aus dem indogermanischen d wird das althochdeutsche t:  daughter wird zu tochter

– Aus dem indogermanischen t wird das althochdeutsche s:   water wird zu Wasser,

– Aus dem indogermanischen p wird das althochdeutsche ff:  open wird zu offen.

ACHTUNG: DIE BEISPIELE SIND STARK VEREINFACHT! DER BEGRIFF „ALTHOCHDEUTSCH“ STAMMT VON JACOB GRIMM AUS DEM JAHRE 1819 UND IST EIN OBERBEGRIFF FÜR DIE ANSAMMLUNG VERSCHIEDENER WEST-GERMANISCHER DIALEKTE.

Die Dialekte und Sprachen, die diese 2. Lautverschiebung durchlaufen haben, bezeichnet man heute als ALTHOCHDEUTSCH. Diese Entwicklung war ein echter „Game Changer“ in der deutschen Sprachgeschichte, da sich nun eine „hochdeutsche“  von den „niederdeutschen“ Sprachen abgrenzte. „Hoch-Deutsch“ bezieht sich dabei auf die höher gelegenen Länder im Süden und verdeutlicht den Unterschied zum Nieder-Deutschen im Norden.                    

Modern ausgedrückt: Die Niederländer und die Engländer machten die zweite Lautverschiebung nicht mit. Hier hieß das Wasser weiterhin „water“ und der „Apfel“ blieb ein „Appel“. Die Germanen der althochdeutschen Lautverschiebung, besonders im Süden die Franken und Baiern, fanden über die Sprache allmählich zu einer gemeinsamen Identität.

Von nun an gab es immer mehr Schriftstücke, die neben dem Lateinischen als übergeordneter „Dachsprache“ (lengua paraguas) auch ins Althochdeutschs verfasst wurden. In dieser Zeit, ungefähr zwischen 800 und 1100, tauchten (aparecer) auch der germanische Begriff „diutisc“ beziehungsweise das lateinische Adjektiv „theodisk“ auf. Sie bedeuten so viel wie „allgemein“, also die Sprache des Volkes, im Gegensatz zum Latein der Gelehrten. Aus diesen „diutisc“, „theodisk“ wurden später dann das Adjektiv „deutsch“ und das Substantiv „Deutschland“.

Der Wandel vom Germanischen zum Althochdeutschen vollzog sich allerdings nur in der Schriftsprache der Klöster, während sich die einzelnen Stämme, wie die Baiern, Franken oder Sachsen in ihren unterschiedlichen Sprachen nicht verständigen konnten. Aber eine Ähnlichkeit war jetzt schon größer als vor der zweiten Lautverschiebung. Zu den wenigen Schriften, die heute noch in der althochdeutschen Sprache erhalten sind, gehört „Das Hildebrandt-Lied“ (siehe Bild) eines anonymen Autors aus dem 9. Jahrhundert.

4. Latein und immer wieder Latein

Auch wenn das Althochdeutsche einen echten Wendepunkt (punto de inflexión) in der deutschen Sprachgeschichte markierte, so war man noch weit von einer einheitlichen (estandarizada) Sprache entfernt. Die Anzahl althochdeutscher Schriftstücke sind dürftig (escaso), Dokumente, Bibeltexte und Gebete wurden von Geistlichen in den Klöstern weiterhin mehrheitlich auf Latein abgefasst.      

Im Laufe der Zeit (con el tiempo) nutzten auch Kaufleute das Lateinische. Wenn beispielsweise ein Geschäftsmann aus Bayern in Hamburg Geld verdienen wollte, verhandelte er mit den nordischen Kaufleuten auf Latein, da er das Niederdeutsche nicht verstand. Etwa 1000 Jahre lang wurde dies auf dem Gebiet des heutigen Deutschland so praktiziert und es verwundert nicht (no es de extrañar), dass viele Lehnwörter (préstamos) aus dem Lateinischen in die Umgangssprache einflossen (fluyeron en el lenguaje coloquial). 

Erst ab dem späten Mittelalter öffneten sich auch die Menschen aus dem Norden „Deutschlands“ für das „Hochdeutsche“ des Südens. Sie taten dies aus Gründen der Vernunft, denn sie wollten sich wirtschaftlich nicht vom übrigen Reich isolieren. Somit verdrängte das Hochdeutsche des Südens das Niederdeutsche immer mehr.                                                                                                                                  

Anders sah es in den Niederlanden aus: Durch die Gründung der Vereinigten Niederlande im Jahre 1579 wurde der niederdeutsche Dialekt dort zur Standardsprache und gab dem neuen Staat seine holländische Identität.

Im deutschen Reich verschwand das Lateinische im 17. Jh. immer mehr und wurde durch das Französische als übergeordnete Amtssprache und Sprache des Adels „abgelöst“ (sustituido). Bis zum Ende des 19. Jh. existierten in Deutschland also Latein und Französisch als übergeordnete Dachsprachen, während sich das Hochdeutsche nur langsam durchsetzen (imponerse) konnte.

5. Das Mittelhochdeutsche als die neue Sprache der Dichter und Denker

Ab 1050 begann nun die Blütezeit (el apogeo) des mittelhochdeutschen Sprachgebrauchs, die sich in der höfischen Dichtung (poesía cortesana) niederschlug (se refleja). Das Mittelhochdeutsche war eine reine Literatursprache und berühmte Werke wie das Nibelungenlied und der Parsifal wurden in dieser Sprache verfasst.   

Auch die Liebes-Lyrik, der sogenannte „Minnesang“, machte das Mittelhochdeutsche bekannt, vor allem durch den Minnesänger (el juglar) Walther von der Vogelweide (siehe Bild).                                        Auf den Burgen einzelner Landesfürsten (soberanos) kam es zu  Dichterwettstreiten (concursos de poesía), die ebenfalls zur Verbreitung des Mittelhochdeutschen beitrugen (contribuyó a la difusión del alto alemán medio). 

Einheitliche Regeln (un conjunto estandardizado) für Rechtschreibung und Grammatik gab es aber nicht. Das einfache Volk sprach weiterhin in seinem lokalen Dialekt und amtliche Dokumente wurden weiterhin in Latein verfasst.                                              Für heutige Ohren ist das Mittelhochdeutsche schon viel verständlicher als das Althochdeutsche. Zum Beispiel dieses Gedicht eines unbekannten Verfassers:

Mittelhochdeutsch:                                                                                                      Neuhochdeutsch:

Dû bist mîn, ih bin dîn                                                                                                  Du bist mein, ich bin dein                                                        

des solt dû gewis sîn.                                                                                                   dessen sollst Du gewiss sein.         

Dû bist beslozzen in mînem herzen,                                                                        Du bist eingeschlossen in meinem Herzen,                      

verlorn ist das sluzzellîn: dû muost ouch immêr darinne sîn.                          verloren ist das Schlüsselein: Du musst auch für immer                                                                                                                                            darin bleiben.                

6. Und dann kam Luther.....

Die Bibelübersetzung Martin Luthers im Jahr 1545 war ein wahrer Quanten-Sprung bei der Vereinheitlichung (estandarización) der deutschen Sprache. Der Reformator übersetzte die lateinische Bibel in ein Deutsch, das alle verstanden. Die Sprache Gottes auf Deutsch! Das hatte Gewicht. 

Durch die Erfindung des Buchdrucks ( invención de la imprenta) von Johannes Gutenberg (100 Jahre vor Luther), verbreitete sich das Werk im ganzen Reich sehr schnell.
Luthers Sprache war volkstümlich (popular) und fand deshalb großen Anklang (muy bien recibido). Er kreierte Redewendungen und Sprichwörter, die bis heute populär sind. Seine „Spezialität“ war die Verbindung zweier fremder Wörter zu einem neuen Begriff (z.B.: „Herzenslust“, „Lockvogel“, „Nächstenliebe“, „Gewissensbisse“).

Von Vorteil war auch, dass Luther auf das so genannte Frühneuhochdeutsche zurückgreifen (recurrir) konnte. Dieses Frühneuhochdeutsche, das aus dem Mittelhochdeutschen bzw. aus den süddeutschen Dialekten hervorgegangen war, kann seit dem frühen 15. Jahrhundert als allgemein verständliche Hochsprache angesehen werden. Auffällig (llama atencion) ist zum Beispiel die Entwicklung der Vokale und der Diphthonge.             

So wurden aus  mîn – mein,                                                                                                                                                                                                                              hûs –  Haus,                                                                                                                                                                                                                              lieut – Leute. 

Mit Luthers Bibel verbreitete sich das Frühneuhochdeutsche im gesamten deutschsprachigen Raum und bildete (constituyó) die Grundform der deutschen Sprache, wie sie heute noch gesprochen wird.

7. Die deutsche Sprache als Klebstoff für die nationale Einheit

Wie bereits erwähnt, hatte im deutschen Sprachraum das Französische im 17. Jh. das Lateinische als Amtssprache abgelöst. Im Adel und in den oberen Gesellschaftsschichten wurde Französisch nun auch im Alltag verwendet. Beispielsweise sprach der preußische König Friedrich II. (1712 – 1786) weitaus schlechter deutsch als französisch. Ihm fehlte einfach die Übung – und das im eigenen Land.                            

So war es nicht verwunderlich (sorprendente), dass einige Sprachgesellschaften versuchten, das Französische aus der deutschen Sprache zu verbannen (expulsar). Auch heute gibt es wieder solche Sprachpuristen, die vor einem Übermaß (exceso) an Anglizismen in der deutschen Sprache warnen (advertir). Ähnlich wie im Spanischen auch (Stichwort: „Spanglish“).

Erst ab 1871, nach dem Sieg Deutschlands über Frankreich und der Gründung des Deutschen Reiches, wurde eine einheitliche Rechtschreibung angestrebt. Sie sollte eine deutsche Identität fördern (fomentar). 1880 war es dann soweit! Konrad Duden veröffentlichte das VOLLSTÄNDIGE ORTHOGRAFISCHE WÖRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE. Es war sozusagen ein politisch verordnetes Standardwerk, das zum Klebstoff des neu gegründeten Staates und seiner Bürger werden sollte (Era, por así decirlo, una obra estándar prescrita políticamente que debía servir de aglutinante para el recién fundado Estado y sus ciudadanos).

                                                                           FAZIT:

  1. Das Germanische trennt sich in der ersten Lautverschiebung von den indoeuropäischen Sprachen.
  2. Unterschiedliche Dialekte prägen das Germanische. Man unterscheidet West-, Nord- und Ost-Germanisch.
  3. Althochdeutsch entwickelt sich aus den westgermanischen Dialekten in der zweiten Lautverschiebung. Dies bedeutet eine Trennung von den niederdeutschen Dialekten.
  4. Latein wird zur übergeordneten Amtssprache wegen der vielen Sprachen und Dialekte.
  5. Mittelhochdeutsch entsteht als Literatursprache, bedeutende literarische Werke werden damit verfasst.
  6. Luthers Bibelübersetzung fördert ein Vereinheitlichung der neuhochdeutschen Sprache.
  7. Die deutsche Einheit von 1871 vollendet nun auch die sprachliche Einheit.
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